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INTERNATIONAL
Weltausstellung Reformation
Prophezey für das 21. Jahrhundert
Der Schweizer Pavillon in Wittenberg

Hund, Komet, Ungetüm, Suppe.
Der Schweizer Beitrag zur Weltausstellung
Reformation offenbart ein Erlebnis
für Augen und Ohren.

Am 19. Juni 1525 fand im Grossmünster Zürich
erstmals eine Versammlung statt, an der die Lesung
des Alten Testaments und die zeitgemässe Auslegung
durch Zwingli und seine Freunde im Zentrum
standen. Diese « Prophezey », die von Paulus’ erstem
Korintherbrief inspiriert war, hatte einen nachhaltigen
Einfluss auf die Schweizer Reformation, auf
Kultus, Exegese und Architektur. Ausserdem führte
sie zur Herausgabe der Zürcher Bibel 1531, einem
monumentalen Werk des Schweizer Kulturerbes. Der
Pavillon der Schweizer Kirchen an der Weltausste
llung in Wittenberg vom 20. Mai bis 10. September
2017 anlässlich des 500. Reformationsjubiläums wird
den Namen « Prophezey» tragen und die Auswirkungen
der schweizerischen Reformation auf den
weltweiten Protestantismus aufzeigen. Der von den
bekannten Basler Architekten Christ und Gantenbein
gestaltete Pavillon wird die Besucherinnen und Besucher
unterhalb des berühmten Schlosses Wittenberg
in wunderschöner Natur empfangen. Am Portal der
Schlosskirche hatte Luther am 31. Oktober 1517 seine
berühmten 95 Thesen angeschlagen.

Ein Bild von ihm wird im vorderen Teil des Pavillons
zu sehen sein, neben den Figuren von Calvin und
Zwingli. Auch Niklaus von Flüe ist dort vertreten,
denn um die Schweizer Reformation zu verstehen,
muss man den spirituellen und politischen Beitrag
der grossen religiösen Persönlichkeiten der Schweizer
Geschichte mit berücksichtigen. Dazu gehört dieser
von Katholiken und Reformierten gleichermassen
verehrte Prophet aus Ranft. In einem zweiten Raum
macht eine Reformationsfibel die religiösen Umwälzungen
und deren Folgen vom 16. Jahrhundert bis
heute spielerisch verständlich. « Hund », « Komet »,
« Gegenreformation », « humanitär », « Ungetüm »,
« Suppe » und « Vergnügen »: So sind die Kommentare
betitelt, die einen religiösen « Sonderfall » in seinen
vielfältigen ökumenischen und kulturellen Aspekten
illustrieren. Eine animierte Präsentation der berühmten
Zürcher Bibel wird die wichtige Rolle der Schrift
im Reformationsprozess hervorheben und zeigen,
was sie allgemein für den Protestantismus bedeutet –
seit 1517 oder sogar 1514. Denn Zwingli behauptete
stets, er habe die Bibel schon einige Jahre vor Luther
ins Zentrum gerückt.

Die nachgebaute Gutenbergpresse

Ein interaktives Erlebnis
Dass dieser Prozess im 16. Jahrhundert eine solche
Ausstrahlung hatte, ist der Erfindung der Druckkunst
zu verdanken. Sie ermöglichte die Lancierung einer
reformatorischen Medienkampagne, wie man heute
sagen würde. In einem dritten Bereich des Pavillons
steht eine eigens für diesen Anlass gebaute Gutenberg-
Presse. Sie wird in Betrieb sein und daran erinnern,
ie wichtig dieses mechanische Gerät für den keimenden
Protestantismus war. Die Gäste können mithelfen,
in Exemplar des Neuen Testaments der Zürcher Bibel im
Format einer Bibel des 16. Jahrhundert zu drucken. Dieses
emeinsame Wirken findet seine Fortsetzung in einem vierten
aum, welcher der Meditation dient – enthüllend, offenbarend
sozusagen. Ein Erlebnis für Augen und Ohren.
« Prophezey» ist eine dem religiös geprägten 16. Jahrhundert
der Schweiz gewidmete kulturelle Installation,
die zeigt, wie dieses Erbe heute noch weiterwirkt.
Die vom Theologen Gabriel de Montmollin
und vom Kurator Juri Steiner konzipierte Ausstellung
bietet den Besuchern ein interaktives Erlebnis. Sie
werden in den Räumen von engagierten ehrenamtlichen
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern empfangen.
Es heisst, die Schweizer Reformation sei stärker
vom Gemeinschaftsgeist getragen worden als jene in
Deutschland, die vor 500 Jahren Europa bewegte. In
diesem Sinne möchte « Prophezey» auch dazu beitragen,
die Tore der Freiheit immer weiter zu öffnen.