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INTERVIEW
Wo mein Schatz ist, da ist mein Herz
Porträt von Sabine Brändlin Die Baselbieter Pfarrerin Sabine Brändlin ist seit Anfang 2017 Mitglied des Rats des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK). Um sie besser kennenzulernen, haben wir sie um ihre Version des Slogans «500 Jahre Reformation: quer denken, frei handeln, neu glauben» gebeten.
Sabine Brändlin, Mitglied des Rats des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK)

Wo mein Schatz ist, da ist mein Herz

Sabine Brändlin wählt spontan ein Element auf Französisch aus: «aimer croire» (etwa «die Liebe zum Glauben»), das viel eindrücklicher und berührender ist als die deutsche Version «neu glauben» – als gäbe es einen alten Glauben, von dem man sich heute distanzieren müsste. Nein: «aimer croire» bedeutet für sie, vom Glauben ergriffen zu sein und ihm sein Herz zu öffnen.

Erstes wegweisendes Erlebnis

Sabine Brändlin wuchs in einer Familie auf, die in aller Selbstverständlichkeit in die reformierte Kirche ging. So wurde ihr schon in jungen Jahren der Glaube an Jesus ins Herz gelegt. Sie ist in einer Kirchgemeinde aufgewachsen, die auf unaufgeregte Weise den Glauben zum Ausdruck brachte und dabei eine grosse Weite und Offenheit lebte.

Ein wichtiges Erlebnis hatte sie als zehnjähriges Mädchen: An der Beerdigung ihres Grossvaters erlebte sie zum ersten Mal eine Pfarrerin. Seit diesem Tag war für sie sonnenklar: Sie würde Pfarrerin werden. Ihre Liebe zum Glauben konnte sie in einer kirchlichen Mädchengruppe vertiefen.

Das Studium der Theologie bereicherte ihren Intellekt, nicht aber ihren Glauben. Ihres Erachtens müssten die wissenschaftlichen Aspekte der Theologie besser mit der Spiritualität der Studierenden und mit Erfahrungen in den Kirchgemeinden verknüpft sein. Die Verbindung dieser beiden Dimensionen konnte sie in ihrem Engagement in der kirchlichen Frauenbewegung und der Jugendarbeit von Kirchgemeinden leben und weiter entwicklen.

Zweites wegweisendes Erlebnis

Vor 18 Monaten konnte Sabine Brändlin an einer Studienreise nach London teilnehmen. Die anglikanische Kirche Londons befindet sich seit einigen Jahrzehnten auf einem Weg der Kirchenerneuerung. Die Einblicke in Kirchgemeinden in London haben Sabine Brändlin stark beeindruckt und haben dazu geführt, dass sie sich intensiver mit Fragen der Kirchenentwicklung beschäftigte. So ist sie mit verschiedenen Verantwortlichen aus den Mitgliedkirchen des SEK im Gespräch, wie hier bei uns eine Kirchenerneuerung weiter angeregt werden kann. Beeindruckt ist sie unter anderem vom Weg der Waadtländer Kirche. Diese Kirche schreibt in ihren Legislaturzielen. «Face à cette dérive de l’individualisme, il est déterminant que l’Église souligne la dimension relationnelle de toute vie à la lumière de l’Évangile.». Sie ist überzeugt, dass die Kirche ein klares Zeichen gegen den Individualismus der heutigen Zeit setzen muss und dass die Kirchgemeinden ein wichtiger Ort für Kontakte sein können.

Drittes wegweisendes Erlebnis

Sabine Brändlin ist Mutter von drei Kindern, die sie mit ihrem Mann, der in der katholischen Kirche aufgewachsen ist, in ökumenischem Geist erzieht. Die Familie lebt genauso in der katholischen Pfarrei wie in der reformierten Kirchgemeinde.

Ihre Kinder sind es gewohnt, dass man sie mit einem Kreuzzeichen auf der Stirn segnet, bevor sie das Haus verlassen. Ihren Kindern jeden Tag ein Kreuz auf die Stirne zu zeichnen, ist ihr wichtig. «Eine Kirche, die sich vom Kreuz distanziert, ist problematisch, denn damit distanziert sie sich von Christus. Das Kreuz ist schliesslich wichtigstes Symbol für Christus.“ So die Überzeugung des neuen Ratsmitglieds. «Wie zur Zeit der Reformation müssen wir immer wieder an das Zentralste unseres Glaubens, an das solus Christus erinnern. In dieser Mitte in Christus sind wir zudem auch mit den anderen Konfessionen verbunden. Diese Mitte verleiht der Kirche ökumenische Weite.

Eine Aufgabe für den Kirchenbund

Nebst ihrem Interesse an Fragen der Kirchenentwicklung ist das neu gewählte Ratsmitglied vor allem auch mit liturgischen Themen beschäftigt. «Die Kirche ist nicht bloss ein religiöser Verein, sondern lebt in und aus dem Gottesdienst.“ Aus dieser Überzeugung heraus hat sich Sabine Brändlin gleich nach ihrer Wahl dafür eingesetzt, dass die 500 Jahre Reformation auf nationaler Ebene mit einem Gottesdienst gefeiert wurde. Dabei war ihr wichtig, die Mitgliedkirchen des Kirchenbundes einzubeziehen und die Verbundenheit mit der weltweiten Kirche zum Ausdruck zu bringen, in dem vier internationale Gäste im Gottesdienst mitgewirkt haben.

Zwei Konfessionen in ihrer Familie und internationale ökumenische Kontakte: Diese Erfahrungen brachten Sabine Brändlin zur Überzeugung, dass der Gottesdienst mit Abendmahl in unseren Kirchen ein grösseres Gewicht erhalten soll. Beeindruckt hat sie dabei vor allem auch die reformierte Kirche Frankreichs, die vor einiger Zeit den Abendmahlsgottesdienst zum Normgottesdienst erklärt hat. Sie hofft, dass der Kirchenbund sich darum bemühen wird, dem Abendmahl in der reformierten Kirche der Schweiz eine grössere Selbverständlichkeit zu verleihen.

Anne Durrer